Wie funktioniert eigentlich dealstreet?
Nachdem ja beim Jochen eine interessante Diskussion zum Mehrfachraketenwerfer Rocket Internet entbrannt ist, musste ich mir doch mal eins dieser Pflänzchen aus Berlin näher ansehen: Dealstreet – Die Großstadtantwort auf swoopo. Im Gegensatz zu vielen Mitbewerbern hat dealstreet die Vorgehensweise und Taktiken sehr ausführlich auf der Seite erklärt, so dass ich mir das jetzt sparen werde. Bilder sagen sowieso mehr als tausend Worte und deshalb zeige ich Ihnen jetzt einen Film, ein Mitschnitt der letzten Sekunden einer Auktion, aus der dann doch noch einige Minuten geworden sind. Film ab!
Der Film war ungekürzt 17:40 min, daher hier die gekürzte Version mit den wichtigen Sequenzen mit Zeit und Erläuterungen (und Kommentar) für die Eiligen:
00:00: Wir starten bei einem Auktionspreis von 6,25 €. Im Klartext heißt das, dass bisher 625 Gebote zu je 0,50 € abgegeben worden sind, also bereits über 300,00 € Einnahmen für dealstreet bei einem VK-Preis der Wii von 269,90. Eigentlich könnten wir jetzt aufhören, Kathrin ist die Gewinnerin, dealstreet hat eine ordentliche Marge und alle Anderen noch nicht allzu viel verloren. Aber jetzt fängt der Spaß erst richtig an – Entertainment-Shopping nennt man das, aha.
01:49: Der 10 sec Countdown ist (wiedereinmal) angebrochen, gleich wird es also zu Ende sein – denkste. Auf einmal sind sie da, die stillen Mitbieter, die jetzt ihre einmalige Chance wittern und der Kathrin kurz vor Schluss noch ihre Beute entreißen möchten. Also, wild drauf los klicken, dass selbst die sonst stabile Software nicht mehr hinterher kommt, um die 10 sec Aufschlag pro Gebot draufzurechen. Hätte ja klappen können, denken sich Herr Danngerman und Co. und blicken wie ich mit einem großem Fragezeichen auf den Schirm: über 1,5 Minuten drauf geschlagen – kurze Entspannung, neue Taktik zurecht legen.
04:07: Es sind wieder ein paar dazu gekommen, auch die mit Bietagent. Das ist eine echte Geldruckmaschiene, die haut die Gebote wie Raketen raus (oh, die Metapher ist jetzt aber bald über strapaziert), aber selbst Schuld, wer lieber das heute-journal schauen muss anstatt den Deal des Tages live zu erleben. Kathrin hat sich auf alle Fälle gut mit Geboten ausgestattet, immer wieder liegt sie vorne. Vermutlich hat ihr 6-Jähriger nächste Woche Geburtstag, könnte man ja verstehen.
So, wieder Countdown, jetzt muss es doch mal geschafft sein – nein, wieder ein paar, die hinterm Ofen vor kriechen: Olli, Alex und Dittrich gehen jetzt wie die drei Musketiere gegen Kathrin vor, doch plötzlich – Auktion ist weg, das Publikum sieht die Startseite von dealstreet. Ich hatte auch noch mal unbelehrbar kurz mit geboten – habe ich jetzt etwa gewonnen. Ein Blick auf die beendeten Auktionen bringt Klarheit: Kathrin wird einen ruhigen und entspannten Kindergeburtstag haben und Ihr Sohnemann sich nun auch in den schlechten Herbsttagen vor dem Fernseher körperlich ertüchtigen können- Herzlichen Glückwunsch, und das trotz Bietagent.
Am Ende zahlt Kathrin 8,79 € und gefühlte 60-80 € für Gebote für das Nintendo-Gerät, immer noch ein Schnäppchen.
Nur zur Erinnerung: 8,79 € bedeuten 879 x 0,50 € = 439,50 € Umsatz für dealstreet, ziehen wir mal einen EK-Preis von 180,- € ab, bleiben 259,50 € Erlös an dieser Auktion, oder?
Nein, also ja, doch – nein, nicht wirklich. Dealstreet bietet jedem die Möglichkeit, das Produkt sofort zu kaufen und als Rabatt gibt es die eingesetzten Gebote, wirklich eine faire Geste. Bis hier hin eigentlich alles in Ordnung.
Man könnte ja aber, wenn man ein wenig unmoralische Energie besäße, einfach das Produkt kaufen und innerhalb von 14 Tagen unfrei wieder an dealstreet senden. Die AGB (10.2, Absatz 2) geben dies für Produkte über 40,- € so her, und die eingesetzten Gebote werden einem auch noch gut geschrieben. Klingt fantastisch – könnte aber den Knock-Out für dealstreet bedeuten.
Ich fände es schade, weil der Unterhaltungswert echt enorm ist. Und auch die erzielten Schnäppchen können sich sehen lassen. Ob dies jedoch bei steigendem Traffic so bleibt, bleibt abzuwarten. Auf alle Fälle müssen dann mehr Auktionen parallel laufen.
Wir werden es weiter beobachten und hoffen, dass der ein oder andere Leser mit dealstreet wunsch.los.glücklich. wird.
P.S.: Sorry an die Protagonisten, ich hoffe, Sie verzeihen es mir, das ich Ihre Namen verwendet habe und das eine oder andere hinzugedichtet habe – es ging so mit mir durch.
















@markus: das stimmt so nicht ganz. du musst nur taktisch denken und nur auf die teile bieten, die du auch wirklich kaufen möchtest. dann kannst du, wenn du glück hast, ein richtig gutes schnäppchen machen. ansonsten halt zum normalpreis kaufen und die gebote werden dir erstattet. der direktkaufpreis richtet sich immer nach dem kaufpreis bei amazon… also ist relativ günstig.
Ich kann manche Kommentare nicht nachvollziehen. Die Geschäftsidee ist genial. Wenn alles fair und korrekt abläuft und man “wirklich” gewinnen kann, dann gibt es dagegen nichts einzuwenden. Es ist ein “Gewinnspiel”! Und, was soll’s? Ich spiele auch Lotto!
Solange man den Artikel wirklich bei gewonnener Auktion erhält, hat das nichts mit Abzocke zu tun! Die anderen Bieter hatten dann einfach Pech! Das Risiko zu verlieren sollte einem bewusst sein, bevor man bietet.
PS: Ich bin nicht bei ds registriert. Hinter DS soll die Credit Agricole stehen. Eine große französische Bank- also doch Abzocke
PPS: warum soll es nicht erlaubt sein, Geld zu verdienen? Glücksspiel kann süchtig machen, aber alle Verantwortung von sich wegzuschieben ist lächerlich. Wir enden hier in Europa bald bei amerikanischen Verhältnissen, wo man McDonalds verklagt, weil man nach dem Essen eines BigMäc beim Geschäftstermin Mundgeruch hat und daher kein Geschäft abschließen konnte.
Sorry, Jugendschutz ja, aber alle über 18 Jahren sollten auch mal Verantwortung übernehmen und nicht heulen, weil man “nicht gewußt haben will, dass man bei einer Ersteigerung auch verlieren kann.”
fuck dealstreet ist scheisse